Meine Trading-Strategie mit VWAP & Anchored-VWAPs

Ein Blick auf meine Trading-Strategie: VWAP-Kontext, Opening-Range, FUSE-Kerzen und ein Risiko-Management, das zum Prop-Trading passt.

Überblick

Strategie

Die Anchored-VWAP-Strategie mit FUSE-Kerzen zielt darauf ab, sinnvolle Rücksetzer innerhalb einer bestehenden Preisbewegung zu nutzen, um mit dem Marktmomentum in einen Trade einzusteigen. Das zentrale Einstiegssignal ist eine FUSE-Kerze an einem relevanten Anchored VWAP. Die Opening Range dient dabei als zusätzliche Orientierung für Tagesstruktur, Ausbrüche und mögliche Reclaims. Konkrete Einstiegssignale suche ich in der Regel auf dem M2 oder M3, damit der Einstieg fein genug bleibt, ohne in sehr niedrige Zeiteinheiten abzurutschen.

Gehandelt wird nur in Richtung des VWAP-Kontexts: Long-Setups oberhalb relevanter VWAPs, Short-Setups unterhalb relevanter VWAPs. Dadurch soll vermieden werden, gegen den dominanten Marktfluss zu handeln.

Wichtig zur Einordnung: Diese Regeln sind das Gerüst meines Tradings — über die endgültige Trade-Auswahl entscheidet auch Erfahrung. Mehr dazu im Abschnitt „Der diskretionäre Anteil“.

Einstiegssignal

FUSE-Setup

Eine bullische FUSE-Kerze zeigt, dass ein Rücksetzer an einem relevanten VWAP zunächst aufgenommen wurde und Käufer den Bereich verteidigen. Entscheidend ist nicht die Kerze allein, sondern die Reaktion im passenden VWAP- und Marktkontext.

Kriterien

  • VWAP-Test am Kerzentief
  • Schluss zurück über dem VWAP
  • Lokaler Swing-Point
  • Einstieg erst nach Kerzenschluss

Hinweis: Eine FUSE-Kerze muss nicht zwingend in Trade-Richtung schließen. Für ein Short-Setup etwa kann sie auch bullisch schließen, wenn sie zugleich eine klare Ablehnung durch einen langen Wick in die Gegenrichtung zeigt, wie im zweiten Beispiel.

Kontext

VWAP & Anchored VWAPs

VWAPs sind für meine Methode zentrale Orientierungspunkte. Sie zeigen, wo der Markt Wert akzeptiert oder ablehnt und wo Trader eher im Gewinn oder im Verlust sind. Entscheidend ist die Reaktion am Level, nicht der VWAP allein.

Session VWAP

Der Session VWAP gibt Orientierung für den Handelstag und zeigt Zonen, an denen Preisakzeptanz oder Ablehnung sichtbar wird.

New York VWAP

Der New York VWAP liefert Kontext für die US-Session und hilft zusammen mit dem Session VWAP, die bevorzugte Richtung einzuordnen.

Wichtige Hochs & Tiefs

HOD, LOD und markante Swing-Punkte nutze ich als Anchors, wenn sie Struktur, Liquidität oder Reaktionen im Markt erklären.

VWAP Handoffs

Ein Handoff entsteht an der letzten Berührung eines relevanten AVWAPs, bevor der Preis eine neue höhere oder tiefere Range akzeptiert.

Tagesstruktur

Opening-Range

Die Opening Range der ersten 15 Minuten bietet in den Indizes eine wertvolle Orientierung für den Handelstag. Entscheidend ist dabei nicht nur der klassische Ausbruch aus der Range.

Auch ein Fehlausbruch auf der Gegenseite, ein Reclaim oder ein gutes Signal in der Mitte der Range können relevant sein. In Verbindung mit den VWAPs hilft die Opening Range, die bevorzugte Handelsrichtung während des US-Parketthandels einzuordnen.

Regeln

Risiko-Management

Risiko pro Trade

500 $

Target pro Trade

500 $

Risk/Reward

1:1

Für meine mentale Stabilität vor, während und nach dem Trading muss vor dem Entry klar sein, wie viel ich maximal verlieren kann. Deshalb arbeite ich nicht mehr mit dynamischem Risiko, bei dem die Price Action die Stop-Location vorgibt, sondern mit einem festen Punkte-Risiko. So kann ich Trades sauberer planen, vergleichen und methodischer umsetzen.

ES

S&P 500
Positionsgröße
2 Mini-Kontrakte
Stop
5 Punkte / 20 Ticks
Ziel
5 Punkte / 20 Ticks

NQ

Nasdaq
Positionsgröße
1 Mini-Kontrakt
Stop
25 Punkte / 100 Ticks
Ziel
25 Punkte / 100 Ticks

Die konkrete Umsetzung unterscheidet sich je nach Markt, weil ES und NQ unterschiedlich stark auf Punktebewegungen reagieren. Grundsätzlich bleibt die Idee aber gleich: 500 $ Risiko für einen Profit von 500 $, mit festen Stopps und festem Ziel.

Das 1:1 ist eine bewusste Entscheidung: Es erhöht die Trefferquote, macht Tage vergleichbarer und passt zu den straffen Verlust-Limits im Prop-Trading. Warum ich dafür sogar Chance-Risiko hergebe, steht ausführlich im Artikel „Warum ich mein CRV bewusst senke“.

Einordnung

Der diskretionäre Anteil

Alles auf dieser Seite beschreibt das Gerüst meines Tradings: VWAP-Kontext, Einstiegssignale, feste Risikogrößen. Ein wichtiger Teil meiner Entscheidungen entsteht aber nicht aus diesen Regeln, sondern aus Erfahrung und Marktgefühl — ob ich ein technisch sauberes Signal überhaupt handle, wann ich einen Tag früh beende, wann ich einen Gewinner laufen lasse. Dieser diskretionäre Anteil lässt sich nicht in drei Kriterien fassen und ist trotzdem kein Zufall: Er ist über Jahre am Markt entstanden und gehört fest zu meinem Ansatz.

Für den Start des öffentlichen Portfolios habe ich versucht, diesen Anteil wegzulassen und nur die hier dokumentierte Strategie zu handeln — damit jede Zahl im Portfolio sauber aus diesen Regeln erklärbar ist. Das hat nicht funktioniert: Mein Trading wurde dadurch nicht klarer, sondern schlechter. Wie das ausging, steht offen in den Wochenberichten. Seitdem gilt: Das Portfolio dokumentiert ehrlich, was ich trade — auch die Entscheidungen, die aus Erfahrung kommen.

Deshalb ist diese Seite eine Beschreibung, keine Anleitung. Wer die Setups nachhandelt, handelt das Gerüst — nicht die Erfahrung, die darüber liegt.

Kontenrotation

Prop-Trading Portfolio

Gruppe A

Account-Gruppe A handeln

Erste Kontogruppe wird gehandelt, solange die Tagesregeln intakt sind und die Price-Action sauber bleibt.

Gewinne absichern

Nach Gewinn selektiv bleiben

Nach einem Gewinn-Trade ist häufig Feierabend. Nur sehr starke Price-Action rechtfertigt einen weiteren Versuch.

Gruppe B

Nach zwei Verlusten wechseln

Nach zwei Verlust-Trades wird die Gruppe gewechselt, statt dieselben Accounts weiter zu belasten.

Verluste begrenzen

Maximalverlust akzeptieren

Der maximale schlechte Tag bleibt planbar: zwei Gruppen, jeweils zwei Verlust-Trades, danach ist Schluss.

Praxis

Trade-Beispiele

Gewinner: ES Short nach Session VWAP Handoff

Beispiel für einen +2R-Trade unter dem Opening-Range Low im bärischen VWAP-Kontext.

Gewinner: Klassischer Open Range Breakout

Beispiel für einen ORB-Trade Long mit Unterstützung eines New York VWAP Handoffs.

Verlierer: Short nach Fehlausbruch des OR High

Beispiel für einen technisch sauberen Verlust-Trade an einem Handoff eines lokalen Hochs.

FAQ

Häufige Fragen

VWAP steht für Volume Weighted Average Price, also den volumengewichteten Durchschnittspreis. Ein Anchored VWAP ist ein VWAP, der bewusst an einem bestimmten Zeitpunkt oder Preisereignis verankert wird. Diese Linien können sichtbar machen, wo große Marktteilnehmer im Durchschnitt positioniert sind, wer mit aktuellen Positionen eher im Gewinn oder Verlust liegt und wo echte Handelsintentionen im Markt sichtbar werden. Der Anchored VWAP wurde besonders durch Brian Shannon bekannt gemacht, der das Konzept im modernen Trading stark geprägt hat.

Ich nutze vor allem vier VWAP-Arten: den Session VWAP für den aktuellen Handelstag, den New York VWAP für den Kontext der US-Session, Anchored VWAPs von wichtigen Hochs und Tiefs sowie VWAP Handoffs. Handoffs entstehen dort, wo der Markt einen relevanten VWAP zuletzt berührt, bevor er eine neue höhere oder tiefere Range akzeptiert.

Eine FUSE-Kerze ist für mich eine Kerze, die nach einem Pullback an einem relevanten VWAP Stärke zeigt und den möglichen Impuls zurück in Trendrichtung vorbereitet. Der Begriff kommt von Fuse, also Zündschnur oder Sicherung. Wichtig ist nicht die Kerze allein, sondern ihre Reaktion im passenden VWAP- und Marktkontext.

Die Opening-Range beschreibt die Handelsspanne direkt nach Markteröffnung. Ich nutze in den Indizes ES und NQ vor allem die ersten 15 Minuten der regulären US-Session, also 9:30 bis 9:45 Uhr Eastern Time (in Europa meist 15:30 bis 15:45 Uhr, je nach Sommerzeitumstellung). OR High und OR Low helfen mir, Ausbrüche, Reclaims und Fehlausbrüche im VWAP-Kontext einzuordnen.

Ich handle überwiegend den ES im 2- oder 3-Minutenchart, weil er Signale oft etwas klarer sendet und weniger volatil ist als der NQ. Dadurch ist der Stop-Loss häufig günstiger zu platzieren. Trotzdem beobachte ich ES und NQ immer gemeinsam, weil beide Indizes oft synchron laufen. Wenn der NQ besonders deutlich ist, kann auch dort ein Setup interessant werden.

Die Strategie passt gut zum Futures-Prop-Trading, weil sie klares Risiko-Management mit Kontenrotation verbindet. Das Risiko pro Trade und pro Tag bleibt dadurch relativ planbar. Gleichzeitig helfen feste Regeln dabei, straffe Verlust-Limits, Drawdown-Vorgaben und Consistency-Regeln besser einzuhalten.

Nein. Das Gerüst — VWAP-Kontext, FUSE-Signale, festes Risiko — ist regelbasiert und hier dokumentiert. Darüber liegt ein diskretionärer Anteil aus Erfahrung und Marktgefühl: welche Signale ich tatsächlich handle, wann ich einen Tag beende und wie ich mit laufenden Positionen umgehe. Zu Beginn des öffentlichen Portfolios habe ich diesen Anteil bewusst weggelassen, um nur die dokumentierte Strategie zu zeigen — das hat meinem Trading nicht gutgetan. Seitdem tradet das Portfolio meinen vollständigen Ansatz, und diese Seite beschreibt den erklärbaren Teil davon.