Micros oder Minis im Prop-Trading: Was die kleinen Kontrakte kosten
Micro-Futures klingen nach feinerer Risikosteuerung und einfachem Skalieren. Im kurzfristigen Prop-Trading haben sie aber auch Nachteile, die man kennen sollte: eigene Preise, höhere Gebühren und unsauberes Copy-Trading.

Micros haben im Futures-Trading einen guten Ruf, der auch berechtigt ist. Ein Zehntel der Größe, feinere Positionsgrößen und die Möglichkeit, Teilgewinne mitzunehmen. Gerade im Prop-Trading klingt das erst mal nach der perfekten Lösung.
Ich habe selbst eine Weile mit Micros gehandelt und bin inzwischen wieder bei den Minis. Nicht weil Micros schlecht wären, sondern weil sie ein paar Eigenheiten haben, die beim kurzfristigen Handel ins Gewicht fallen. Die sollte man kennen, bevor man umstellt.
Was für Micros spricht
- Feinere Positionsgröße. Mit Minis gibt es 1 oder 2 Kontrakte, dazwischen nichts. Mit Micros lässt sich die Positionsgröße in Zehnteln einstellen.
- Teilgewinne und Skalieren. Zehn Micros kann man in Etappen auf- und abbauen. Mit einem Mini heißt es ganz oder gar nicht.
- Kleinere Konten. Prop-Firmen rechnen Micros meist im Verhältnis 10:1 auf die Kontraktlimits an. Dasselbe Risiko passt also auch auf ein kleineres, günstigeres Konto.
- Der Einstieg. Ein Tick im MES kostet 1,25 $ statt 12,50 $ im ES. Fehler werden dadurch deutlich günstiger.
Wo Micros Nachteile haben
Die Nachteile zeigen sich meist erst in der Praxis und betreffen vor allem kurzfristige Trades mit engen Stopps.
Ein eigener Kontrakt mit eigenen Preisen
Micro und Mini sehen aus wie derselbe Chart mit anderem Multiplikator. Tatsächlich sind ES und MES, genauso wie NQ und MNQ oder GC und MGC, zwei eigene Kontrakte mit eigenem Orderbuch. Arbitrage hält sie eng beieinander, aber eben nicht auf den Tick genau. Der Micro läuft dem Mini leicht hinterher und überspringt dabei auch mal Preise.
Hochs, Tiefs und Level können im Micro deshalb ein oder zwei Ticks danebenliegen. Mir ist das vor allem am VWAP aufgefallen, der im Micro mit einem ganz anderen Volumen gerechnet wird. Auch wer auf dem Mini-Chart analysiert, kommt daran nicht vorbei. Stopp und Ziel werden immer vom Kontrakt ausgelöst, den man tatsächlich handelt.
Mehr Kontrakte, mehr Gebühren
Gebühren fallen pro Kontrakt an. Ein Micro kostet dabei deutlich mehr als ein Zehntel eines Minis, weil schon die Börsengebühr nicht im gleichen Verhältnis sinkt. Bei Tradeify sieht das pro Round-Turn inklusive aller Börsen- und Clearing-Gebühren z. B. so aus:
| Kontrakt | 1 Mini | 10 Micros |
|---|---|---|
| ES / MES | 5,76 $ | 18,20 $ |
| NQ / MNQ | 5,76 $ | 18,20 $ |
| GC / MGC | 6,20 $ | 21,20 $ |
Für zehn Micros zahlt man also gut das Dreifache, bei exakt demselben Risiko. Tradeify rät im eigenen Help-Center sogar ausdrücklich dazu, statt zehn Micros lieber einen Mini zu handeln. Bei anderen Prop-Firmen und Brokern unterscheiden sich die Beträge etwas, das Verhältnis bleibt aber ähnlich. Im Prop-Konto werden die Gebühren außerdem direkt vom Kontostand abgezogen und knabbern so am Abstand zum Trailing Drawdown.
Dazu kommt etwas Psychologisches. Eine Position aus zehn Kontrakten lädt dazu ein, im Trade herumzuschrauben: hier ein Drittel früher raus, dort noch etwas nachlegen. Wer mit festem Stopp und festem Ziel handelt, holt sich damit Entscheidungen ins Haus, die es mit einem Mini gar nicht gibt.
Copy-Trading wird ungenauer
Wer mehrere Prop-Konten handelt, kopiert oft vom Mini auf Micro-Konten, technisch können das die gängigen Trade-Copier. Weil der Micro aber eigene Preise hat, laufen die Konten mit der Zeit auseinander. Eine Limit-Order wird im Leader gefüllt, im Follower nicht. Oder der Follower ist schon ausgestoppt, während der Leader noch im Trade ist.
Da jedes Prop-Konto seinen eigenen Drawdown hat, sollte man das von Anfang an einpreisen. Ein Micro-Follower ist eben keine exakte Kopie. Wie sich Copy-Trading als Skalierung generell einordnen lässt, habe ich im Artikel zur Account-Rotation beschrieben.
Wann Micros passen
Ob die Nachteile ins Gewicht fallen, hängt vor allem an der Stoppweite. Ein oder zwei Ticks Abweichung sind bei einem engen Scalping-Stopp viel, bei einem weiten Stopp kaum der Rede wert. Wie unterschiedlich das je nach Markt ausfällt, sieht man schon bei 250 $ Risiko pro Mini:
| Markt | Stopp bei 250 $ | Anteil von 2 Ticks |
|---|---|---|
| ES | 20 Ticks | 10 % |
| NQ | 50 Ticks | 4 % |
| GC | 25 Ticks | 8 % |
Im NQ hat man bei gleichem Risiko die meisten Ticks Luft, im ES die wenigsten. Wer intraday größere Bewegungen handelt oder Positionen länger hält, merkt von den Nachteilen in allen drei Märkten wenig. Für Scalping mit engen Stopps an exakten Leveln sind Minis dagegen die präzisere Wahl, sofern Konto und Risiko es hergeben.
Mit Eigenkapital sieht es anders aus
Im Prop-Trading handelt man in einer Simulation, die Margin spielt dort keine Rolle. Mit eigenem Geld ist sie dagegen oft das stärkste Argument für Micros, denn ein Micro braucht nur ein Zehntel der Margin eines Minis.
Wie groß der Unterschied ist, zeigen die Margins bei Tradovate, das zu NinjaTrader gehört (Stand Ende Oktober 2026):
| Kontrakt | Intraday | Über Nacht |
|---|---|---|
| ES | 500 $ | ca. 28.800 $ |
| MES | 50 $ | ca. 2.900 $ |
| NQ | 1.000 $ | ca. 46.700 $ |
| MNQ | 100 $ | ca. 4.700 $ |
| GC | 2.000 $ | ca. 22.300 $ |
| MGC | 200 $ | ca. 2.200 $ |
Intraday kommt man also schon mit einem kleinen Konto weit. Wer über Nacht hält, braucht aber die volle Margin der Börse. Mit 10.000 $ auf dem Konto ist ein ES über Nacht gar nicht drin, drei MES dagegen schon. Vor wichtigen Zahlen wie CPI, PPI oder dem Arbeitsmarktbericht setzt Tradovate die Intraday-Margin außerdem auf das Vierfache, im ES also auf 2.000 $.
Für kleinere Konten und Swing-Trading sind Micros deshalb oft der einzige sinnvolle Weg. Die kleinen Nachteile bei Preisen und Gebühren nimmt man dafür gern in Kauf.
Fazit
Micros sind ein gutes Werkzeug, gerade für den Einstieg, für längere Trades und für Konten mit Eigenkapital. Im kurzfristigen Prop-Trading lohnt sich aber ein zweiter Blick. Eigene Preise, höhere Gebühren und unsauberes Copy-Trading kosten bei engen Stopps spürbar Präzision. Bei mir hat das am Ende den Ausschlag für die Minis gegeben.
Häufige Fragen
Kurze Antworten auf die häufigsten Fragen zu Micro- und Mini-Kontrakten.
Zehn Micros entsprechen beim Risiko einem Mini. Ein Tick ist im MES 1,25 $ wert, im ES 12,50 $. Außerdem sind es zwei eigenständige Kontrakte mit eigenem Orderbuch, deshalb können die Preise um ein oder zwei Ticks voneinander abweichen.
Ja. Gebühren fallen pro Kontrakt an. Ein Micro kostet dabei deutlich mehr als ein Zehntel eines Minis, zehn Micros kosten gut dreimal so viel wie ein Mini. Im ES sind das z. B. bei Tradeify 5,76 $ gegen 18,20 $ pro Round-Turn, bei demselben Risiko.
Technisch ja, die gängigen Trade-Copier können das. Weil der Micro eigene Preise hat, laufen Leader und Follower mit der Zeit aber auseinander. Da jedes Prop-Konto seinen eigenen Drawdown hat, sollte man das einpreisen.
Für den Einstieg, für Trades mit weiteren Stopps oder längerer Haltedauer und für Konten mit Eigenkapital, weil ein Micro nur ein Zehntel der Margin braucht. Wer im Prop-Trading mit engen Stopps an exakten Leveln handelt, ist mit Minis meist besser bedient.

Simon Rimkus @ der/proptrader
Auf derproptrader.de teile ich meinen Alltag als Futures-Trader mit Prop-Firmen. Ich handle ES & NQ mit dem Anchored VWAP und schreibe über meine Erfahrungen mit Evaluierungen, Funded-Accounts, Auszahlungen, Regelwerken und Trading-Psychologie — ehrlich, praxisnah und ohne Marketing-Blabla.


