Liquidität bewegt die Märkte
Um mir eine Art Framework für den Markt zu erstellen, nutze ich die Perspektive der Liquidität. Der Markt tut eigentlich nichts anderes als möglichst viele Transaktionen zu einem für Käufer und Verkäufer fairen Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt möglichst effizient zu arrangieren. Der Preis strebt dabei entweder nach Liquidität in Form von Buy- und Sell-Stops (Draw-on-Liquidity) oder stellt das Gleichgewicht im Markt her, indem Preis-Level, an denen zu wenig bzw. nur in eine Richtung gehandelt wurde, erneut angesteuert werden (Rebalancing).
Wobei Liquidität vermehrt an wichtigen Hochs und Tiefs vermutet werden kann, werden ineffizient gehandelte Preisbereiche in Form von Fair Value Gaps oder Volume-Imbalances für uns im Chart sichtbar. Diese Spuren, die große Marktteilnehmer oder Algorithmen nicht vor uns verbergen können, können wir Retail-Trader nutzen, um im Windschatten der großen Jungs ein Stück mitzusegeln.
Top-Down-Analyse
Mit der Idee des Draw-on-Liquidity und des Rebalancing erstelle ich nun eine Top-Down-Analyse. Ich beginne dabei im Monatschart, gehe über den Wochen- und den Tageschart, um dort nach Fair Value Gaps, Volume-Imbalances und wichtigen Hochs und Tiefs zu suchen und markiere mir diese. Auch Dinge wie Premium und Discount der aktuellen Handelsspanne sind wichtig jedoch nicht immer entscheidend – ich kaufe zwar am liebsten unter und verkaufe über der 50%-Marke, aber es gibt auch Situationen, in denen es anders ist. Hier ist Kontext wichtig.
Auf diese Weise entsteht ein Narrativ, mit dem im besten Falle klarer wird, in welche Richtung der Preis wahrscheinlich als nächstes läuft bzw. in welchen Bereichen er sich bewegen könnte. Zur zusätzlichen Orientierung lasse ich mir den VWAP anzeigen, um den herum sehr oft viel gehandelt wird und Reversals vorkommen. Innerhalb dieses Frameworks verwende ich dann Signale für einen Trade-Einstieg.
Reversal-Strategie
Im Kontext der oben beschriebenen Analyse warte ich an wichtigen Levels aus höheren Zeiteinheiten auf Signale. Ich nutze dabei iFVGs (Inverted Fair Value Gaps) auf den Timeframes M1 oder M3 im GC (Gold-Future) oder ES (SP500-Future).
Wichtig ist für mich, dass das Fair Value Gap vorher schon angesteuert wurde, der Preis auf dieses reagiert und ein neues Hoch oder Tief produziert hat. Wenn es danach „invertiert“ wird und der Preis hinter dem iFVG schließt, steige ich in den Trade ein.

Meinen Stop-Loss platziere ich – wenn wir von einem Long-Trade ausgehen – unter dem lokalen Tief. Der Take-Profit ist eine Projektion der Spanne zwischen besagtem Tief und dem Schlusskurs der Kerze, die über dem FVG schließt und es damit zu einem iFVG macht.
Das Risk-Reward-Ratio liegt dennoch meist über 1:1 bei 1.15 bis 1.25, weil ich für einen Trade-Einstieg einen kleinen Rücksetzer nutze. Um mir diese Preis-Level anzeigen zu lassen, verwende ich ein Fibonacci-Werkzeug mit veränderten Einstellungen.
Gold handele ich dabei in einem Zeitfenster von 8 – 10 Uhr morgens. Am Nachmittag ab 14 kann ich dann auch Trasse im ES platzieren.
Die Gewinnquote dieser Strategie ist relativ hoch. Ich persönlich liege meist um die 75 – 80%. Für das Prop-Trading ist mir das in Verbindung mit einem relativ geringen RR aber lieber, um auch mit einem Intrady-Drawdown klarzukommen.
Trade-Location & Mindset
Diese Strategie ist so simpel wie effektiv. Und in Gold bewegt sie sich, wie ich finde, sehr viel schöner als im NQ (Nasdaq), den ich vorher handelte. Das kann sich in Zukunft wieder ändern, aber zur Zeit bleibe ich bei Gold.
Wichtig ist wie bei jeder Trading-Strategie die Location oder anders gesagt der Kontext. Mit dem oben beschriebenen Framework erstelle ich mir ein Narrativ für die Marktbewegungen und versuche mich in sie einzureihen. Theoretisch kann man alle vorhandenen Signale handeln, man wird dann aber mit mehr Verlusten konfrontiert werden. Auch bei wichtigen News-Events muss man natürlich vorsichtig sein.
Für alles, was wir an der Börse tun, ist ein gesundes Mindset und Wissen um die Trading-Psychologie ein guter Ratgeber, um langfristig und möglichst ohne Stress, der das menschliche Gehirn zu Fehlentscheidungen verleitet, handeln zu können.