Was genau ist Gamification im Prop-Trading?
Neben der eigentlichen Struktur mit Challenges meine ich mit Gamifiation alle Formen des sogenannten „Tradertainments“. Vor einiger Zeit ging es mit von Prop-Trading-Firmen selbst angebotenen Live-Streams los. Dort werden allerlei Gewinnspiele mit Giveaways und zunehmend einfach „lustiger“ Quatsch gemacht.
Der letzte Schrei waren dann Trading-Wettbewerbe mit ausgeklügelten Punktesystemen und Leaderboards, Influencer-Teams und zugegeben sehr großzügigen Preisgeldern. Auch wenn die Organisation und technische Umsetzung des Ganzen beeindruckt, ist die Intention dahinter eher nicht nachhaltiges Trading.
Warum Prop-Firmen auf Gamification setzen
Der Markt im Prop-Trading ist sehr umkämpft und auch um immer neue Zielgruppen zu erschließen, buhlen die Anbieter in einer informationsüberfluteten Online-Welt um die Aufmerksamkeit.
Natürlich verstehe ich, dass es ohne diese Spielereien nicht geht. Das Geschäftsmodell Prop-Trading funktioniert nur, wenn der Strom an frischen Anfängern, die sich durch die Challenges ballern, nicht aufhört. Das ist allgemein im Trading nicht anders und nur so funktioniert Börse überhaupt.
Dass sich die Anbieter also in dieser Form auf allen Kanälen und Einsatz vieler Ressourcen präsentieren, ist nachvollziehbar. Ich erinnere mich, dass mein Einstieg in das Thema Daytrading ähnlich war. Das ist allerdings viele Jahre her, der Content war etwas naiver und hat dank gesundem Menschenverstandes für keine bleibenden Schäden gesorgt.
Der psychologische Effekt von Gamification
Ich will kein grummelnder Spielverderber sein und, wie gesagt, das ganze Spiel hat auch seine Berechtigung. Aber besonders Trading-Anfänger, an die sich diese Aktionen ja richten, müssen aufpassen, dass sie nicht ständig abgelenkt werden.
Beim Trading sind Routine und der Fokus auf sich selbst essentiell wichtig, um positive Ergebnisse zu erzielen. In zahlreichen Artikel über Trading-Psychologie habe ich darüber bereits geschrieben. Das Tradertainment verhindert aus meiner Sicht jedoch genau das. Es kann daher eine erfolgreiche Entwicklung eines Traders stark verzögern oder gar verhindern.
Die Prop-Firmen nutzen hier Taktiken, die auch Social Media so groß gemacht haben. Die Jagd nach Dopamin wird wichtiger als das Einhalten der Disziplin. FOMO und Overtrading sind die Folgen davon.
Sind Trading-Wettbewerbe sinnvoll?
Bin ich ein guter Trader, wenn ich einen Trading-Wettbewerb gewinne? Und ich meine hier keine lang angelegten Weltmeisterschaften oder den Robbins Cup, sondern relativ kurze Turniere der Firmen selbst.
Natürlich macht das Spaß. Bei Tradeify hatte ich auch mitgemacht. Meine Ergebnisse waren gut, ich war unter den ersten 250 oder so. Aber nur die ersten 200 kamen in die nächste Runde. Letztlich endete das in strategielosem Rumgeballer, um die Hürde noch zu schaffen. Ging schief, aber der Fokus war völlig falsch und es lenkte einfach nur ab.
Erfahrene Trader können das trennen, aber es bleibt eine Ablenkung. Trading-Anfänger hingegen haben die Birne voller Dopamin und wissen nicht, wo vorne oder hinten ist.
Prop-Trading ganz ohne Gamification
Es geht auch ohne. Für mich änderte sich damals vieles, als das Instant-Funding an Popularität gewann. Ich musste zwar anfangs mehr zahlen, konnte mir aber die Evaluierungsphase sparen, die ich – vielleicht aufgrund fehlender Reife – nie richtig ernst nehmen konnte und mich immer wieder von meiner Strategie entfernte, um „das Ding fertig zu machen“. Direkt auf dem Funded-Account zu handeln hat mir geholfen.
Und den ganzen Rest schaue ich mir nur noch sehr selten zur reinen Unterhaltung an. Von Social Media habe ich mich fast komplett zurückgezogen. Man muss sich dann nicht schlecht fühlen, wenn man nicht alle zwei Wochen Payouts von 80k hat.
Auf diese Weise – und sicher auch weil ich nicht mehr wirklich die Zielgruppe bin – kann ich mein Dopamin in Ruhe regulieren und stoisch mein Ding machen. Für den Blog bin ich manchmal nicht so gut informiert, aber das ist es mir wert.
Fazit
Trading ist kein Spiel! Dieser Artikel soll auch nicht zum Ausdruck bringen, dass ich das alles schlecht finde. Aber Anfänger sollten eben vorsichtig und sich der psychologischen Auswirkungen solcher „Spielereien“ bewusst sein. Wenn man die Intention der Prop-Firmen dahinter versteht, fällt das vielleicht ein wenig leichter.
Häufige Fragen (FAQ)
Gamification im Prop-Trading bezeichnet alle Maßnahmen, die Trading spielerisch aufladen sollen – etwa Live-Streams, Giveaways, Trading-Wettbewerbe, Punktesysteme oder Leaderboards. Ziel ist es, Aufmerksamkeit und Aktivität zu steigern, nicht zwingend nachhaltiges Trading zu fördern.
Der Prop-Trading-Markt ist stark umkämpft. Gamification hilft Firmen, neue Zielgruppen zu erreichen, sich von Wettbewerbern abzuheben und konstant neue Trader in Evaluierungen oder Challenges zu bringen – ein zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells.
Ja, besonders für Anfänger kann Gamification problematisch sein. Sie lenkt vom Aufbau von Routine, Disziplin und Selbstreflexion ab und verstärkt psychologische Risiken wie FOMO, Overtrading und impulsive Entscheidungen.
Nicht unbedingt. Trading-Wettbewerbe belohnen oft kurzfristige Performance, hohes Risiko oder aggressives Verhalten. Nachhaltiges Trading zeichnet sich jedoch durch Konsistenz, Risikomanagement und langfristige Stabilität aus – nicht durch Ranglistenplätze.
Ja. Einige Prop-Firmen setzen bewusst auf reduzierte Strukturen, klare Regeln und Prozesse statt auf Unterhaltung. Modelle wie Instant Funding oder ruhige Evaluierungen können Tradern helfen, fokussierter und disziplinierter zu arbeiten.